Archiv für Juli 2010

Gera – Nachbereitung

Trotz des gut vorangegangenen Unmuts vieler engagierter liberaler Bürger, ist es leider nicht gelungen, dass Rechtsrock-Konzert zu verhindern. Wenngleich auch massiver Widerstand aufgeboten war, durch diesen immerhin zahlreiche Kleingruppen Neonazis erst nach Stunden zur Spielwiese gelangten, muss noch Einiges an gegenseitiger Kooperation erarbeitet werden.
Die Blockaden standen, alle Zugänge und Zufahrtsstraßen waren gesperrt.
Am östlichen Ende der Heinrichsbrücke hatten Einsatzkräfte der Polizei einen schmalen Durchgang für die anreisenden Neonazis abgesperrt, um diesen den Zugang zum Festivalgelände frei zuhalten.
Jede Taktik diese Schleuse dicht zu machen, scheiterte, unserer Meinung, nicht an der fehlenden Anzahl von Gegendemonstranten sondern eher an mangelnder Kommunikation und Organisation untereinander, als es nun galt in kürzester Zeit zu improvisieren.
Wenngleich auch mehr engagierte Menschen wünschenswert waren, wären die aufgestellten Ideen auch mit weniger „quantitativ“ durchführbar gewesen. Stattdessen agierten die Demonstranten quasi „gegeneinander“, die Organisation glitt auseinander und unzählige Kleingruppen von Antifas und Anarchisten waren auf dem gesamten Gebiet verstreut.
An manchen Punkten fanden wir es schade, dass Mensch der ein oder anderen anrückenden Gruppe Neonazis nur grübelnd nachgesehen hatte, anstatt die Initiative zu ergreifen sich diesen in den Weg zu stellen.
Man hätte durchaus noch Einiges aus den Gegenaktivitäten rausholen können. Vielleicht wäre der Aufmarsch der Nazis dann doch verhindert und nicht nur behindert worden.
Last but not least: Dein Freund und Helfer. An dieser Stelle möchten wir noch gerne auf die „Arbeit“ der örtlichen Polizei eingehen. Das fast schon geschmacklos „Witzigste“ an der ganzen Aktion, war diese heuchlerische Aussage des (vermeintlichen) Einsatzleiters: „Sie wissen doch, dass wir die Nazis nicht schützen wollen.“
Unser Kommentar: Nun dann sollten Sie das vielleicht ganz einfach nicht tun!
Durch die vielen sinnlosen Übergriffe und Festnahmen, macht ihr euch definitiv auch keine Freunde.

Demonstranten wurden wortwörtlich, einfach so, herausgegriffen und festgenommen. Beamte rechtfertigten ihren aggressiven Schlagstock-Einsatz durch nicht „ordnungsgemäßes“ Verhalten, was sich schon allein durch das Tragen eines Palis äußerte. Wie schon im Aktionskonsens enthalten, ging von uns dabei keinerlei Eskalation aus. Unsere Versammlungen waren allesamt friedlich.
Liebe Polizei, ihr habt mal wieder Erstaunliches zugunsten einer demokratischen Gemeinschaft geleistet.

Fazit: Dass trotz monatelanger Öffentlichkeitsarbeit des Bündnisses und der beteiligten Gruppen (und zuletzt sogar Aufrufen aus der Kommunal- und Landespolitik) kaum Bürger aus Gera selbst auf die Straße gegangen sind, ist ebenso erschütternd wie tragisch. Klassischer Medientratsch alla „Gera habe sich gegen die Nazis behauptet“ blieb natürlich auch nicht aus und ist dieselbe widerwärtige Heuchelei wie wir sie ja sonst nicht anders kennen. Den damit definierten Widerstand dagegen bildeten hauptsächlich anreisende Gruppen u.a. aus Leipzig, Weimar, Saalfeld, Zwickau, Jena, Erfurt, Berlin, Nürnberg und sogar Ulm.

Auch wenn der Aufmarsch der Nazis letztlich nicht verhindert wurde, hat es sich dennoch erneut gelohnt an diesem Tag auf die Straße zu gehen um den Faschisten entgegenzutreten. Dadurch dass sich keine 1 000 Neonazis nach Gera wagten, lässt sich durchaus eine kleine positive Bilanz erkennen. Nach dem peinlichen Auftritt zum 1. Mai in Berlin, an dem es gerade mal 500 Neonazis zur Auftaktkundgebung geschafft hatten, ist es keine Schande das nun teilweise gefloppte Event der Nazis auch mal auszukosten.

Wir bedanken uns bei allen, die sich an diesem Tag, trotz ermüdender Hitze entschlossen haben, den Faschisten den Mittelfinger zu zeigen.
Ein herzliches Dankeschön an die FAU Nürnberg für die enge Zusammenarbeit.

Heute ist nicht aller Tage – Wir kommen wieder, keine Frage!

The Party Is Over!

Seit nunmehr acht Jahren veranstalten NPD und „freie Kameradschaften“ unter dem Namen „Rock für Deutschland“ das inzwischen größte Nazi-Festival Europas im „toleranzoffenen“ Gera, Thüringen.
Durch fehlendes öffentliches Interesse von örtlicher Politik und Bevölkerung, Mangels an Zivilcourage in einer vermeintlich „rationalen“ Gesellschaft und dem „tapferen“ Einsatz der „Ordnungshüter“ konnten Rechtsradikale, abgeschottet von den Protesten ihre Veranstaltung in den vergangenen Jahren nahezu ungestört durchführen.
Presse und Politik dagegen vertreiben sich lieber die Zeit damit anti-faschistischen Widerstand zu kriminalisieren und anscheinend durch einen selbstzufriedenen „Schulterklaps“ die widerwärtige Annahme zu rechtfertigen, mit Medienhetze statt Eigeninitiative, den Nazis irgendetwas entgegen zuwerfen.

Frei nach dem Motto “Blockieren ist unser Recht!” mobilisiert in diesem Jahr ein engagiertes Aktionsbündnis, anti-faschistischer Gruppen, Parteien und Gewerkschaften zu zivilem Ungehorsam in Form von Massenblockaden.
Nach den erfolgreichen Blockaden und Störaktionen in Dresden, Berlin und Erfurt stellt dies nun den ersten Versuch dar, die Versammlung nach dem bewährten Konzept zu verhindern.
Allein in diesem Jahr konnten durch gezielten und organisierten Widerstand auf überregionaler Ebene zahlreiche Aufmärsche faschistischer Bewegungen zerschlagen werden.

Kommt alle am 10. 7. nach Gera und helft mit die letzten
Massenversammlungen rechtsradikaler Gruppen zu stoppen.

Beteiligt euch an den Massenblockaden und Protestaktionen.

Die “Antifaschistische Aktion Gera” mobilisiert darüber hinaus zu einer Demonstration am Vorabend um 19 Uhr am Hbf.

ThePartyIsOver